Kreuzweg-Wegkreuzung

Als ich heuer zur Fastenzeit meine Gedanken zu sammeln begann und die Entstehung des Kreuzweges nochmals Revue passieren ließ, ist mir ein Bild in den Sinn gekommen, welches ausschlaggebend für diese künstlerische Arbeit war.

Es war im Herbst 2015, es war eine Zeit der künstlerischen Neuausrichtung, wir waren gerade in unser Forsthaus in Nußbach , ganz oben auf dem Berg gezogen. 

Mein ganzes künstlerisches Werk der vergangenen 15 Jahre stand in meinem neuen Atelier ungeordnet herum. 

Ein Zustand des Sich Findens, ein Gefühl der Innenschau, des Rückblicks aber auch der Neuorientierung breitete sich in mir aus und floss direkt in meine künstlerisches Schaffen ein.

Aus der Intuition heraus entstand auf der weißen Leinwand ein Gesicht einer Frau mit vorgehaltener Hand. Ich war erstaunt über die Figuration, die meine Hände auf der Leinwand geschaffen haben. Wie sooft eilte auch hier der Schaffensprozess meinem Verstand voraus. Ich hatte keine Ahnung, was hier entstanden war.

Tage lang stand das neue Bild im Atelier herum während ich mich um das Irdische im Haus bemühte. Als ich eines Tages das Bild ansah, flogen mir auf einmal Gedankenfetzen zu : „Maria und der tröstende Engel“

Da war er also der Titel des Bildes.

Völlig aus dem Nichts, wurde eine Idee, oder besser gesagt ein Auftrag geboren. Ich definierte für mich das Thema Kreuzweg neu.

 

Bei all den sakralen Arbeiten, sei es Glas, Malerei oder Hochdruck ist es für mich von großer Wichtigkeit, dass ich an der Ursprungsgeschichte ansetze und Positives vermittle. 

Genauso auch bei diesem Kreuzweg.

Zu viele künstlerische Darstellungen gibt es, bei denen die Grausamkeit der Taten im Vordergrund steht und oft wird dabei die menschliche, fühlende Seite übertönt.

 

In den letzten Jahren wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich mit meiner feinfühlig, wahrnehmenden Art einen Beitrag zu einer ganz neuen Bewusstseinsebene leisten darf.

Es kristallisierte sich heraus, dass vermehrt Menschen, und vor allem auch Kinder auf meine bildnerische Umsetzung, meine formale Sprache von sakralen Motiven oder Begebenheiten aus der Bibel mit einer hohen Sensitivität reagieren.

Meine oft kindliche Auffassungsgabe wird so zum Stilmittel und schafft einen inhaltlichen Bezug von Herz zu Herz bzw. Seele zu Seele.

Durch den Ausdruck in den Gesichtern hat man das Gefühl, man kann in ihre Seele blicken.

Ich durfte während der ersten drei Monate im Jahr 2016 eintauchen in die Welt vor 2000 Jahren.

Fast abgeschieden von der Außenwelt entstand dieser Kreuzweg, man könnte fast sagen in einem Atemzug.

Ich arbeitete wochenlang in meinem Atelier umgeben von dutzenden von Skizzen, Rohentwürfen, Handabzügen und Gesichtern. 

Reduziert auf hartes Schwarz/Weiß wollte ich das Innerste zum Ausdruck bringen.

Die Technik des Hochdrucks, Linol- oder Holzschnittes bot mir genau diese Klarheit und Einfachheit.

Die Gesichter, die Körperhaltung, das Spiel mit Hell und Dunkel, und vor allem das immer wiederkehrende Kreuz in Form eines Plus  - ein sehr positives Symbol.

Das Plus, das den Kreuzweg und uns zum Hoffnungsträger machen soll und nicht zum Schuldiger.

Meine Anspruch war und ist es, die Begebenheiten nicht zu beschönigen sondern sie nur anders darzustellen.

Das sorgenerfüllte Antlitz von Mutter Maria, die Zivilcourage der Veronika, die helfende Hand von Simon.

Zu oft sind wir abgestumpft von zu viel negativen Botschaften, wollen oft kaum mehr hinsehen und geben unsere Verantwortung für unser Leben ab.

Wollen wir die Geschichte von nun an neu schreiben, sollten wir Menschen uns mehr und mehr auf das Positive fokussieren.

Ich hoffe mit diesen Arbeiten einen kleinen lichtvollen Beitrag dazu geleistet zu haben und wünsche uns allen, dass wir die Botschaften dahinter mit dem Herzen spüren können.

Mit den Worten des kleinen Prinzen möchte ich abschließen:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“